Glossar / Begriff
TDM-Vorbehalt
Ein TDM-Vorbehalt ist die maschinenlesbare Erklärung eines Rechteinhabers, dass seine online veröffentlichten Inhalte nicht für Text- und Data-Mining, einschliesslich des Trainings von KI-Modellen, verwendet werden dürfen.
Die Abkürzung TDM steht für Text and Data Mining, also die automatisierte Auswertung von Texten und Daten, um Muster, Zusammenhänge und Informationen zu gewinnen. Das Training von Sprachmodellen gilt nach verbreiteter Auffassung als eine Form davon. Dieser Eintrag beschreibt die Rechtslage und die Technik im Überblick; er ersetzt keine rechtliche Beratung.
Rechtlicher Hintergrund in der EU
Die EU-Richtlinie 2019/790 über das Urheberrecht im digitalen Binnenmarkt erlaubt in Artikel 4 das Text- und Data-Mining an rechtmässig zugänglichen Werken auch zu kommerziellen Zwecken, sofern der Rechteinhaber sich die Nutzung nicht ausdrücklich vorbehalten hat. Für online öffentlich zugängliche Inhalte muss dieser Vorbehalt in angemessener Weise erklärt werden, etwa mit maschinenlesbaren Mitteln. Daraus leitet sich die Bezeichnung TDM-Vorbehalt ab.
Die KI-Verordnung der EU (2024/1689) verpflichtet Anbieter von KI-Modellen mit allgemeinem Verwendungszweck unter anderem, eine Strategie zur Einhaltung des Urheberrechts vorzuhalten und dabei solche Vorbehalte zu ermitteln und zu beachten.
Technische Umsetzung: TDMRep
Wie ein maschinenlesbarer Vorbehalt aussehen soll, schreibt die Richtlinie nicht vor. Eine W3C Community Group hat dafür das TDM Reservation Protocol (TDMRep) erarbeitet und im Mai 2024 als Abschlussbericht veröffentlicht. Es handelt sich um einen Bericht einer Community Group, nicht um einen offiziellen W3C-Standard. TDMRep sieht mehrere gleichwertige Wege vor:
- eine Datei
/.well-known/tdmrep.jsonauf dem Server, die Vorbehalte für Pfade festlegt; - HTTP-Kopfzeilen
tdm-reservationund optionaltdm-policy; - Meta-Angaben im HTML-Kopf einer Seite;
- Angaben in den Metadaten von E-Books (EPUB).
Mit tdm-policy kann auf eine Lizenzseite verwiesen werden, unter welchen Bedingungen eine Nutzung dennoch möglich ist.
Verhältnis zu robots.txt
robots.txt regelt den Abruf durch bestimmte Crawler, nicht die Nutzung von Inhalten, und ist rechtlich nicht als Vorbehalt ausgestaltet. Viele Betreiber nutzen beide Mittel parallel: robots.txt für die einzelnen KI-Crawler und TDMRep als allgemeine Erklärung, die unabhängig vom Namen eines Crawlers gilt.
Lage in der Schweiz
Das Schweizer Urheberrechtsgesetz kennt mit Artikel 24d eine Schranke für die Vervielfältigung zum Zweck der wissenschaftlichen Forschung, aber keine allgemeine Regel nach dem Muster von Artikel 4 der EU-Richtlinie mit einem Vorbehalt für kommerzielles Text- und Data-Mining. Für Schweizer Unternehmen wird der TDM-Vorbehalt vor allem relevant, wenn ihre Inhalte von Anbietern genutzt werden, die dem EU-Recht unterstehen.
Was das für ein Schweizer Unternehmen bedeutet
Für ein Schweizer Unternehmen ist ein TDM-Vorbehalt ein günstiges, zusätzliches Signal, wenn es die Nutzung seiner Inhalte für das Training ausschliessen will. Die Entscheidung sollte mit der Haltung zu KI-Sichtbarkeit abgestimmt werden, denn ein umfassender Vorbehalt kann auch die erwünschte Präsenz in Antworten berühren, und sie sollte mit der Rechtsabteilung geklärt werden.
Quellen
- Richtlinie (EU) 2019/790 über das Urheberrecht im digitalen Binnenmarkt (Art. 4) eur-lex.europa.eu
- W3C TDM Reservation Protocol Community Group: TDM Reservation Protocol (TDMRep), Final Report 10. Mai 2024 w3.org
- W3C: TDM Reservation Protocol Community Group w3.org
- Verordnung (EU) 2024/1689 über künstliche Intelligenz (KI-Verordnung) eur-lex.europa.eu
- Bundesgesetz über das Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (URG, SR 231.1) fedlex.admin.ch